Luftraumstruktur und Kontrollzonen

Wer an die unzähligen Pflichtmeldepunkte in Deutschland denkt, die zahllosen Kontrollzonen, bei denen jeder Flug einem Slalom-lauf ähnelt, der wird in den USA endlich einmal durchatmen können.

Sicherlich gibt es hier auch Regeln und Gesetze, letztlich sorgen die große Weite und die General Aviation-freundliche Infrastruktur der USA für ein streßfreies und entspannendes Flugvergnügen.

Die wichtigsten Punkte in aller Kürze. Der U.S Luftraum unterteilt sich in die Lufträume A, B, C, D und E. Eine genaue Aufstellung des Luftraumes finden Sie hier. Luftraumstruktur USA. Die Halbkreisflugregeln werden ab einer Höhe von 3000′ MSL angewandt, somit ist die niedrigste Halbkreisflughöhe 3500′ MSL in östlicher Richtung. Erst ab 18000′ MSL wird auf Standard Baro Setting 29.92 (1013.2hpa) umgestellt. Der VFR Transponder Code in den USA ist 1200.

Kontrollierte und unkontrollierte Flugplätze

Anders als in Europa üblich, bedeutet unkontrolliert in den USA, daß kein Tower mit Infodienst oder Flugleiter vorhanden ist. Auch kontrollierte Flugplätze werden bei Schließung des Towers bzw. außerhalb der veröffentlichten Betriebszeiten zum „uncontrolled airport“. Bei unkontrollierten Plätzen sendet der Pilot neben Flugzeugtyp/Model, die Entfernung, die aktuelle Höhe und die Intensionen, z.B. Landing, als sogenannte Blindsendung.. Die Frequenz ist in der VFR Sektional Chart oder im AFD Airport Facility Directory gelistet und ist oft 122.8. Ein Beispiel: „Keystone Traffic, Skyhawk N371RH 10 Miles east, 2800 Feet, full-stop landing Runway five“.

Diese Meldungen werden bis zur Landung und während des Rollens blind gesendet. Vor allem wird gemeldet, wenn die Runway oder die Platzrunde verlassen wurden. Wichtig ist auch, daß die Piloten bei mehreren Flugzeugen in der Platzrunde oder beim Anflug/Abflug  untereinander kommunizieren und die Positionen melden. Deshalb sollten Sie immer ein virtuelles Bild der aktuellen Situation im Kopf behalten.

An kontrollierten Flugplätzen melden sich anfliegende Piloten in der Regel etwa 10-15 NM außerhalb der Kontrollzone mit Kennung, Position und aktueller ATIS sowie den Intensionen.

Fluginformationsdienst vs. Flight Following

Das Gegenstück zum Fluginformationsdienst in Europa, z.B. Langen Info oder Langen Radar, der gern für Verkehrsinformationen während eines Überlandfluges kontaktiert wird, nennt sich in den USA „Flight Following“. Anders, als in Europa, vestehen sich die ATC Controller hier als Dienstleister des Piloten und versuchen, den Flug so angenehm, bequem und sicher wie möglich zu gestalten. Also, keine Angst. Flight Following sollten Sie auf jedem Flug, der über die lokale Platzrunde hinausgeht, kontaktieren. Auch die Sprachbarriere ist kein Problem. Etwa 75% aller Flugoperationen in den USA und etwa 87% aller Flugoperationen in Florida werden von ausländischen Piloten durchgeführt. ATC Controller sind sehr geübt im Umgang mit ausländischen Piloten und nehmen auf die Sprachbarriere viel Rücksicht. So werden deutsche Piloten bei Jacksonville Approach auf der Frequenz 120.75 auch schon einmal mit „Auf Wiedersehen“ verabschiedet.

Wenn es dunkel wird

In den USA sind alle Flugplätze meistens rund um die Uhr geöffnet. Lediglich die Tower schließen teilweise zu bestimmten Uhrzeiten (Betriebszeiten). Saint Augustine Tower schließt derzeit um 21 Uhr Ortszeit. Danach wird der Airport unkontrolliert und die oben beschriebenen Funksprüche werden blind abgesetzt- für alle Operationen in der Platzrunde, im An-oder Abflug oder beim Rollen auf den Rollwegen. Viele Airports sind mit einem automatischen Beleuchtungssystem ausgestattet. Diese Beleuchtungssysteme werden über das Bedienen der Sprechfunktaste PTT „Push to talk“ auf der Tower Frequenz des Airports gesteuert. Je nach Anzahl der Klicks steuern Sie Beleuchtungsintensität der Landebahn. In der Regel sind es 7 Klicks für die höchste der drei Beleuchtungsstufen, 5 Klicks für die mittelstarke Beleuchtung und 3 Klicks für die niedrigste Beleuchtungsstufe. Ob ein Airport mit einem automatischen Beleuchtungssystem ausgestattet ist, sehen Sie in der VFR Sektional Chart oder im Airport Facility Directory AFD.

B(ravo) für Big Airports

Grössere Airports befinden sich meistens im Class Bravo Airspace. Dennoch müssen Sie keine Bedenken haben, z.B. mit einer Cessna 152 auf dem Airport Orlando International zu landen oder die Kontrollzone von Daytona Beach zu durchfliegen. Sie werden ohne Probleme eine Landefreigabe erhalten- und das ohne teure Landegebühren oder Handlingfees zu entrichten.

Es ist oft aufgrund der besseren Infrastruktur, z.B. Mietwagen, Fuel, Hotel, etc. deutlich angenehmer, auf grösseren Flughäfen zu landen, als irgendwo außerhalb ohne entsprechend gute Verkehrsanbindung.

Ungewohnte Anweisungen

Für den europäischen Piloten sind einige Anweisungen/Clearances von ATC gewöhnungsbedürftig und dieser Form meistens nicht bekannt. Hier eine kurze Übersicht, ohne Gewähr für die Vollständigkeit:

1. Cleared for the option
Bedeutet, dass Sie selbst ohne besondere Clearance wählen können, ob Sie eine Full-Stop-Landing, eine Touch-and-Go Landing oder sogar eine Stop-and-Go Landing machen. Die Entscheidung liegt frei bei Ihnen.

2. „Straight“ oder auch „direct to the numbers“
Bedeutet, dass Sie eine kurze Landung machen sollen und direkt zur Schwelle fliegen, da vermutlich ein Jet im Landeanflug ist oder aus anderen Gründen eine kurze, schnelle Landung erforderlich ist.

3. Extend Downwind
Bedeutet, dass Sie Ihren Gegenanflug verlängern, bis der Tower Ihnen die Anweisung gibt, in den Queranflug bzw. Base Leg einzudrehen. Meistens benutzt, um Sie hinter anderen landenden Flugzeugen einzureihen.

4. Make close traffic
Bedeutet, sie sollen nah am Airport Ihre Platzrunde relativ eng fliegen. Platzrunden werden in den USA nicht grafisch genau publiziert und werden einer normalen quadratischen Form geflogen, ohne das es hier exakte Dimensionen gibt. Close traffic bedeutet somit, eng und nah am Airport bleiben.

5. Make long approach
Bedeutet, Sie sollen eine lange Landung machen, in niedriger Höhe über der Runway fliegen und meistens vor der letzten Rollwegkreuzung aufsetzen, um dort direkt abzurollen.

FBO * Fuel * Landing Fees * Rental Car

An den meisten Flugplätzen gibt es sogenannte FBO’s. In Saint Augustine ist das z.B. Atlantic Aviation. Dorthin rollen Sie, um aufzutanken. FBO’s sind luxuriös ausgestattete Piloten Loungen und Anbieter für den Piloten-Rundumservice, bei denen Sie kostenfrei die neuesten Wetterinformationen abrufen können, oft kostenfrei Kaffee und Gebäck erhalten, Wireless Zugang zum Internet haben oder einen der vielen Computer im Flugvorbereitungsraum nutzen. Oftmals ist auch ein sogenanntes Courtesy Car oder Crew Car erhältlich, mit dem Sie kostenfrei, z.B. kurz in die Stadt fahren können, um etwas zu essen. Natürlich ist dieser kostenfreie Mietwagen nicht dazu gedacht, diesen über mehrere Stunden oder sogar über Nacht zu nutzen. Um kurz in die Stadt zu fahren oder zum Mittagessen zu fahren, ist dieser Service hervorragend.

Finanziert wird dieser Service über den Avgas-, bzw besonders den Jet-Fuel-Verkauf. Deshalb wird eigentlich erwartet, daß Sie Ihr Flugzeug dort im Gegenzug für das kostenfreie Serviceangebot auftanken lassen. Wobei der Treibstoff in der Regel nicht teurer ist, als an den Selbsttankanlagen.

An kleineren Airports finden Sie sogenannte Self-Serve Tankanlagen. Hier zahlen Sie an einem Automaten mit Kreditkarte und tanken selbst. Bei der Bezahlung mit Kreditkarte sollten Sie darauf achten, daß Sie bei den Auswahlmöglichkeiten Fill-up und Gallon die Gallon, also die Menge, die Sie benötigen, vorwählen. Bei der Fill-up Funktion geht das System davon aus, daß Sie eine große Menge tanken und „blockt“ automatisch Beträge zwischen $500 und $1000 auf Ihrer Kreditkarte, und das meist über ein bis zwei Tage, bis die Transaktion von Ihrer Kreditkarte abgebucht wurde. Mit der Gallon Funktion beschränken Sie den Betrag, der auf Ihrer Kreditkarte geblockt wird, so daß meistens ein vorhandenes Tageslimit nicht überschritten wird.

Flight Service und Flugberatung

Eine Wetterberatung können Sie, falls Sie nicht das viel verbreitete App Foreflight nutzen, sowohl per Internet als auch telefonisch erhalten. Telefonisch erhalten Sie auf Wunsch eine komplette Flugberatung inklusive Notams, Wetter, Pireps, etc. Hierzu rufen Sie den kostenfreien Service von Lockheed Martin unter 1-800-WX-Brief bzw. 1-800-993-7433 an. Über die Seiten www.aviationweather.gov oder auch www.duats.com erhalten Sie diese Informationen, neben anderen, auch online.

Sensible U.S. Einrichtungen

Besonders in unserer Region sind die Militärbasis Mayport oder auch Navy-Jax (Jax für Jacksonville) sehr bekannt. In anderen Regionen gibt es andere Militäroperationen, Schiffe, Flugzeugträger, U-Boote oder Einrichtungen. Diese Einrichtungen sind höchst sensibel und sollten, wenn möglich, nicht überflogen werden, auch wenn der Überflug in einer bestimmten Höhe erlaubt sein sollte. Vermeiden Sie deshalb, wenn möglich, den Überflug, das Fotografieren oder verdächtig wirkenden Flugmanöver in der Nähe und besonders beim Überfliegen dieser Anlagen.

Weitere Informationen

Weitere Informationen zu Ihrem Aufenthalt sowie zu den Bestimmungen im US Luftraum und nützliche Hinweise erhalten Sie natürlich in unserer Flugschule. Mit der kostenlosen Testmitgliedschaft bei der AOPA stehen Ihnen viele umfangreiche Informationen rund um das Fliegen in den Staaten zur Verfügung.